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Zum Ende der Seite springen Problem: Herzschrittmacher + RT
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Problem: Herzschrittmacher + RT Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hierzu gab es interessante Beiträge in der Mailingliste der Medizin-Physiker, die hier in anonymisierter Form kurz dargestellt werden:

Zum Thema elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
von elektronischen Prothesen und Linacs


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Frage nach der Verträglichkeit von z.B. Herzschrittmacher und Linac
schwappt regelmäßig in die Strahlentherapie. Die Ärzte hätten gerne eine
eindeutige Lösung, die ihnen wenig Arbeit macht und trotzdem juristisch
haltbar ist.

Hat jemand Literaturhinweise oder gar Empfehlungen, wie zu verfahren
sei?

Kurz skizziert unterscheiden wir 2 Pfade für den Ablauf eines Patienten
mit elektronischer Prothese wie z.B. Herzschrittmacher und Defibrilator
(wohl das wichtigste) aber man sollte auch an Medikamentenpumpen denken
(Insulin, Schmerzmittel, Dopamin usw.) sowie an andere Gerätschaften
unmittelbar am Körper.
Der eine bezieht sich auf die Dosis ionisierender Strahlung am Gerät,
der andere bezieht sich auf die elektromagnetische Verträglichkeit.

Der Ablauf in der Strahlentherapie sollte folgendem Muster entsprechen:

A gegebenenfalls Information für und Aufklärung des Patienten

B bei der Bestrahlungsplanung nach Möglichkeit darauf achten, daß das
Gerät nicht vom Nutzstrahl getroffen wird
1. falls doch, die Dosis auf 5 bis 6 Gy beschränken;
2. falls die Dosis überschritten wird abwägen, ob das Gerät
abgekoppelt werden kann, bei implantierten Geräten (Schrittmacher z.B.)
verlagert werden kann;
3. bei Dosen um die 50 Gy muß man zurecht davon ausgehen, daß die
Elektronik unkalkulierbare Schäden erlitten haben kann und die Geräte
nicht mehr als funktionstüchtig zählen dürfen.

C bei der Behandlung des Patienten
1. Patienten beobachten über Kamera und u.U. mit EKG;
wir rufen z.Zt. die Kardiologen auch bei der ersten Fraktion nicht
mehr zum Linac;
2. Patienten befragen ob sich unerwartete Reaktionen ergeben hätten und
wieder darauf hinweisen, daß er sich unverzüglich bei seinem Kardiologen
oder Strahlentherapeuten melden möge, wenn er den Eindruck habe, daß
etwas mit dem Gerät nicht stimme.

D am Ende der Behandlung, d.h. nach der letzten Fraktion den Patienten
zum Kardiologen schicken, um die Funktionen des Gerätes zu überprüfen -
häufigere Überprüfungen scheinen überflüssig.

Für andere Geräte gilt das analog.

Wir haben bisher einmal einen Schrittmacher von der rechten Seite auf
die linke verlagern lassen, da er bei der Behandlung eines
Mammakarzinoms re. Herddosis abbekommen hätte.
Wir hatten bisher keine unvorhergesehenen Reaktionen, keine
Unterbrechungen und keine Interventionen. Wir beobachten z.Zt. eine
Patientin mit der Kombination von Schrittmacher und Defibrilator per EKG
während der Bestrahlung, ohne Zwischenfälle zu registrieren. Sodaß wir
annehmen, daß die EM-Einstreuung der Beschleuniger erstaunlich gering
und die Abschirmung der Geräte erstaunlich gut ist.

Aber viel weiter reicht unser Wissen nicht.
Wir wären für jede Hilfe dankbar. Soweit uns bekannt sind von den
Herstellern der Linacs keine verbindlichen Angaben zu erhalten. Auf der
anderen Seite fehlen auch sinnvolle Angaben der Hersteller der
Schrittmacher u.s.w..

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08.03.2007 16:20 Forum-Team ist offline E-Mail an Forum-Team senden Homepage von Forum-Team Beiträge von Forum-Team suchen Nehmen Sie Forum-Team in Ihre Freundesliste auf
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RE: Problem: Herzschrittmacher + RT Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich habe mich vor ca. 4 Jahren mal ausführlich mit dem Problem Herzschrittmacher und Bestrahlung beschäftigt. Ich bin mir sicher, daß es da auch einige Literatur darüber gibt.
Irgend jemand bei der DGMP hat auch schon mal Herschrittmacher(von Firmen überlassene) direkt bestrahlt (weiß leider nicht mehr wer), das Ergebnis war, daß so ein Herzschrittmacher schon einiges verträgt. Der Ausfall des Gerätes erfolgt aber erst zeitversetzt, es ist quasi ein schleichender Chip-tot.


Hier noch die Informationen die ich so zusammenbekomme:

Grundsätzlich gilt:

Herzschrittmacher unbedingt aus dem Primärstahlenfeld heraushalten
Sonde ist weniger empfindlich, kann also im Strahlenfeld liegen

Alte Herzschrittmacher (also älter als 15 Jahre) vertragen eine höhere Dois als neue

Alle Hersteller die ich damals kontaktiert habe, geben als "Toleranzdosis" 0 Gy an. Logisch, hier kann und möchte niemand die Verantwortung für eine Bestrahlung übernehmen.

Der Schrittmacher wird ja alleine durch Streustrahlung (bei ca. 60 Gy Gesamtdosis) mit ca. 3-6 Gy belastet.
Die Beobachtung des Patienten über EKG und Kamera bei der Bestrahlung ist hier vielleicht zu wenig, da die Chips eben "langsam" kaputt gehen, schlechtestenfalls ereilt den Patient der Ausfall des Schrittmachers zu Hause.

Deshalb haben wir damals eine wöchentliche, bzw. TÄGLICHE Funktionskontrolle durch die Kardiologie vereinbart. Das geht relativ schnell und zeigt eben auch schon langsame "Ausfälle" des Gerätes an.

Über die reine EMV eines Schrittmachers im starken EM-feld eines Beschleunigers habe ich mir damals keine Gedanken gemacht.

Wir haben damals schon ab und zu Herzschrittmacherpatienten bestrahlt (Schrittmacher immer außerhalb des Bestrahlungsfelder). Da ging immer alles gut (also soweit ich das erfahren habe)

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08.03.2007 16:21 Forum-Team ist offline E-Mail an Forum-Team senden Homepage von Forum-Team Beiträge von Forum-Team suchen Nehmen Sie Forum-Team in Ihre Freundesliste auf
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RE: Problem: Herzschrittmacher + RT Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

In Physics in Medicine and Biology gibt es eine relativ aktuelle Arbeit:
Mouton et al., Influence of high-energy..., 47 (2002) 2879-2893 und von
der AAPM gibt es den Report der TG 34 (Med. Phys. 21 (1994) 85-90). Frau
Nuss meint vielleicht noch Poier et al. , Schutz gegen
Funktionsstoerungen..., Z. f. Med. Phys. 1 (1991) 23-26?
Beeindruckend bei Mouton et al. fand ich, dass man eigentlich schon bei
unter 2 Gy kumulierter Dosis 'important defects' beobachten kann...

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08.03.2007 16:21 Forum-Team ist offline E-Mail an Forum-Team senden Homepage von Forum-Team Beiträge von Forum-Team suchen Nehmen Sie Forum-Team in Ihre Freundesliste auf
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RE: Problem: Herzschrittmacher + RT Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

sicher ein sehr interessantes Thema,das uns alles früher oder später beschäftigt.
Aus ärztlicher Sicht ist als erstes einmal die Frage zuklären weshalb genau der Patient den Schrittmacher benötigt, d. h. ob er im Extremfall kurzfristig auch ohne Schrittmacherfunktion auskommt (Rücksprache mit dem Kardiologen des Pat. erforderlich). Falls dies nicht der Fall ist muß ggf. auch eine stationäre RT mit Monitorkontrolle erwogen werden.
Zur Frage an den Hersteller, welche RT-Dosis vertretbar ist,erhält man verständlicherweise keine Schwellendosis, wohl um Schadensersatzansprüchen vorzubeugen. Eine interessante Stellungnahme einer SM-Herstellerfirma zu diesem Thema habe ich angehängt.
Persönliche Vorgehensweise: Wenn SM absolut lebensnotwendig: Dosis < 3Gy, SM-Kontrolle vor, zu Hälfte + zum Ende der RT (Batteriestatus!, vgl pdf), falls Dosis < 3 Gy nicht realisierbar, muß eine Explantation des Aggregates + Implantation an einer Stelle ohne RT-Belastung erwogen werden.

Viele Grüße

H.-D. Weinhold

Dateianhang:
zip RT+Schrittmacher.zip (105 KB, 734 mal heruntergeladen)


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08.03.2007 16:31 Weinhold ist offline E-Mail an Weinhold senden Homepage von Weinhold Beiträge von Weinhold suchen Nehmen Sie Weinhold in Ihre Freundesliste auf
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RE: Problem: Herzschrittmacher + RT Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Auf der internationalen Global Medical Physics Mailing Liste wurde am 16.2. unter dem Stichwort "Pacemakers & Defibrilators" auf aktuelle Literatur hingewiesen:
http://www.jacmp.org/index.php/jacmp

Am 17.2. wurde auf dieser Liste von Chadd Smith in einer Antwortmail eine Literatursammlung zu diesem Thema zur Verfügung gestellt.

Das Archiv ist für angemeldete User zugänglich unter:
http://lists.wayne.edu/cgi-bin/wa?A0=MEDPHYS

Marius Treutwein

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Auf der internationalen Global Medical Physics Mailing Liste wurde am Freitag, den 25.Juni 2010 von Scott Dube (Subject: Pacemaker articles) auf folgende neuere Literatur hingewiesen:

J Med Imaging Radiat Oncol. 2010 Feb;54(1):53-61.

Effect of radiation therapy on the latest generation of pacemakers and
implantable cardioverter defibrillators: A systematic review.
Hudson F, Coulshed D, D'Souza E, Baker C.
DOI 10.1111/j.1754-9485.2010.02138.x


Expert Rev Med Devices. 2009 May;6(3):243-9.

Radiotherapy-induced pacemaker and implantable cardioverter
defibrillator malfunction.
Tondato F, Ng DW, Srivathsan K, Altemose GT, Halyard MY, Scott LR.
Department of Medicine, Mayo Clinic Arizona, Phoenix, AZ 85054, USA.
DOI 10.1586/erd.09.7


Pacing Clin Electrophysiol. 2008 Jun;31(6):727-32.

Effects of scatter radiation on ICD and CRT function.
Kapa S, Fong L, Blackwell CR, Herman MG, Schomberg PJ, Hayes DL.
DOI 10.1111/j.1540-8159.2008.01077.x

Ich habe die DOI ergänzt, die über die SeiteResolve a DOI einen direkten Zugang zum Abstract öffnet.

Treutwein

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28.06.2010 08:49 Treutwein ist offline E-Mail an Treutwein senden Homepage von Treutwein Beiträge von Treutwein suchen Nehmen Sie Treutwein in Ihre Freundesliste auf
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Ein neuer Tip von der Global Medical Physics Mailing Liste, 21.7.2010 von Leonid Massarski:
Bart Frizzell "Radiation therapy in oncology patients who have
a pacemaker or implantable cardioverter&#8209;defibrillator", Community Oncology,
2009, volume 6, number 10, 469&#8209;471, hier der Link

Treutwein

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Deutschsprachige Übersichtsarbeit, ganz aktuell:
Strahlenther Onkol 2013 · 189:5–17 DOI 10.1007/s00066-012-0243-8
Dorenkamp M., Stromberger C. et al.:
Strahlentherapie bei Patienten mit Herzschrittmachern oder implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren. Interdisziplinäre Sicherheitsempfehlungen
Link

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